Jirsak (Jersák, Jersak, Girsak)     èesky

Gemäß einer unter den Jirsak- Exulanten wegen nicht überlieferter historischer Tatsachen bis vor wenigen Jahren gern erzählten Familiensaga stammte die Familie angeblich ursprünglich aus Leitomischl. Der Vater Jirsak habe damals aus seinem Haus fliehen müssen, als der Obrigkeit angezeigt wurde, er beherberge illegal einen Prädikanten. Er versteckte sich im Wald und verabredete sich mit seiner Frau, die dem Gesinde noch ein gutes Abendessen verabreichte, nach welchem alle in festen Schlaf fielen. Auf ein verabredetes Zeichen kam Jirsak heim, die Frau reichte ihm ihr Kind zum Fenster hinaus und gemeinsam flohen sie nach Schlesien. So weit die Saga.

Die Jirsaks gehören jedoch zu den Exulantenfamilien, deren Vorfahren sich bis zum "Untertanenverzeichnis nach dem Glauben" von 1651 sicher rückverfolgen lassen. In Kralova Lhota im Gebiet Opocno können wir den auf Kirchengrund wirtschaftenden Bauern (Kirchbauern) Jakub Jirsak (1618-1686) mit seiner Ehefrau und Kindern sowie den Gärtner (Kleinbauern) Jan Jirsak (1607-1680) mit seiner Frau finden. Wie ihre Verwandtschaftsbeziehungen waren, wissen wir nicht. Beide waren Nichtkatholiken genau wie alle übrigen Einwohner von Kralova Lhota, u.a. weil sich hier niemand zum katholischen Gottesdienst anmeldete. Nachfolgend sind aus der Berni rula (Steuerbewertung) des Jahres 1654 ihre Eigentumsverhältnisse aufgeführt.

            Jakub Jirsak gehörte zu den reichsten Bauern. Er wirtschaftete auf 90 Strich (1 Strich = ca. 0,2878 ha) Land und hatte 4 Gespanne, 6 Kühe, 8 Stück Färsenvieh, 12 Schafe und 7 Sauen.

            Jan Jirsak war nur Häusler (Chalupner). Er bewirtschaftete 9 Strich Land und hatte ein Gespann, 3 Kühe sowie 3 Stück Färsen.

            Jans Sohn Vaclav Jirsak (1653-1712) heiratete im Jahr 1680 nach Mezirici (jetzt Ceske Mezirici) ein und vergrößerte die Familie Jirsak weiter.

            Jakubs Enkel, der Bauer Martin Jirsak (1698-1769), geboren in Kralova Lhota, wurde im Jahr 1732 eingekerkert, weil er nicht zum katholischen Glauben übertreten wollte. Im selben Jahr wurde er auch im Verzeichnis der Nichtkatholiken zusammen mit Ehefrau Katerina und Schwester Alzbeta registriert. Im Verlauf des Ersten Schlesischen Krieges emigrierte er 1742 mit seiner Frau Katerina und den Kindern Jakub, Anna, Dorota, Jan, Maria, Alzbeta und Katerina nach Münsterberg. Im Jahr 1749 gründete er gemeinsam mit weiteren Exulanten Groß Friedrichstabor in Preußisch Schlesien.

            Zusammen mit Martin ging 1742 sein auch in Kralova Lhota geborener weitläufiger Verwandter Jan Jirsak (1681-1751) für den Glauben nach Münsterberg. Bei Jan Jirsak aus Kralova Lhota waren 1713 verbotene Bücher gefunden worden. Er musste sich einem Verhör unterziehen und ein Glaubensbekenntnis ablegen. Er emigrierte mit seinen ledigen Söhnen Jan und Vaclav. Er war Witwer und hinterließ in Kralova Lhota 22 Strich Gärtnerland. Schulden lasteten schon seit 1722 nicht mehr auf seinem Hof. Der zurückgelassene Grund und Boden wurde auf 250 Gulden geschätzt. Nach vielem Leid in der Emigration kehrte er nach Böhmen zurück und starb in Slavetin bei seiner mit Jiri Zounar verheirateten Tochter Dorota.

Die Exulantenfamilie Jirsak breitete sich im Verlauf der folgenden Jahrhunderte stark aus. Ihre Angehörigen kann man in den meisten Exulantenkolonien treffen, besonders in Wolhynien und der Ukraine. In Zelow wurde der Name zu Jersak polonisiert. Weil es sich nicht um einen polnischen Namen handelt, können wir mit Bestimmtheit sagen, dass alle den Namen Jirsak (Jersak) tragenden Leute von den Exulantenvorfahren in Zelow bzw. aus Kralova Lhota abstammen. Unter den Trägern dieses Nachnamens findet man viele hervorragende Persönlichkeiten. Sie gehörten und gehören zu den bedeutenden Vertretern sowohl der Evangelisch Reformierten als auch der Baptistischen Kirche. Heute leben die Nachkommen dieser Exulantenfamilie in der ganzen Welt - in der Tschechischen Republik, Polen, Deutschland, Ukraine, USA, Kanada und Brasilien...

Deshalb ist der Nachfahrenbaum der Jirsak (Jersak) nur zum kleinen Teil erarbeitet. Hinsichtlich seines Umfangs (tausende Personen) wird es noch geraume Zeit dauern, bis es gelingt, ihn zu mindestens 90% zusammenzustellen.

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